Ampera – der Wegbereiter

Wie ein Kraftpaket steht er da, als ein Verlagskollege und ich den Ampera von Opel in Augenschein nehmen, einer wenn nicht der Elektromobilitäts-Wegbereiter in Deutschland – das Auto des Jahres 2012. Für den Kollegen ist es eine e-Premiere; er kennt den Wagen nur aus der Fernsehwerbung mit seinem Lieblings-Bundesligatrainer. In echt wirkt das Fahrzeug mit seiner markanten Front und der eher hohen Motorhaube und dem ebenfalls hohen Heck fast schon nicht mehr wie ein Wagen der Kompaktklasse.

Ein prägnantes Instrumentenfeld dominiert das Cockpit, auf den ersten Blick sind es so viele Knöpfe wie bei einem Space­shuttle. Erst auf den zweiten Blick erweist sich die Zugehörig­keit der Tasten zu Radio/Multimedia- oder Klima­funktionen. Nach unten öffnet sich die Konsole und gibt dem Schalt­hebel Platz. Dieser sitzt auf einem – auch wegen der Armlehnen – recht wuchtigen Mitteltunnel, unter dem sich ein Teil der Batterie­packs befindet. Der Tunnel setzt sich deshalb auch in den Fond fort und trennt dort die beiden Rücksitze.

Nicht „Umparken im Kopf“ sondern auf der Straße ist angesagt. Ein Druck auf den Start-Knopf fährt die Bord­systeme hoch, begleitet mit einem Jingle, das sich entfernt so anhört, als würde das Raumschiff Enterprise auf Warp-Geschwin­digkeit gehen. Die weiteren Schritte sind – im Gegensatz zum BMW i3 – exakt so, wie bei einem Benziner mit Automatik­getriebe: Fuß auf die Bremse, Schalt­hebel auf „R“ oder „D“, Bremsfuß lupfen und der Wagen setzt sich langsam und lautlos in Bewegung. Nach einer kleinen Ehren­runde steuern wir zunächst wieder den Park­platz an – der Kollege ist von seiner Elektro-Premiere begeistert, und auch ich bin vom ersten Eindruck sehr angetan.

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Der Multifunktions-Touchscreen im Ampera blendet zahlreiche Infor­mationen ein, von Betriebs­modus über Radio, Klima und Navigation (Bild: dre)

Nach Büroschluss folgt die erste Fahrt nach Hause. Die Strecke von etwa 22 Kilometern hat einen kleinen Anteil Industrie- und Wohngebiet, Durchgangs­straßen, teilweise mit grüner Welle, Autobahn­zubringer sowie je rund acht Kilo­meter Autobahn mit 100 bzw. 120 km/h Tempolimit und ohne. Über eine Taste oberhalb des Start­knopfes lassen sich die verschiedenen Fahrmodi wechseln: normal, Sport, Gebirge und halten, letzteres dient dazu, manuell den Range Extender zu aktivieren, um die Batterie­ladung zu halten, für spätere Stadt­fahrten etwa.

Bei den vierzig bis achtzig Kilometern rein elektrischer Reich­weite ist mein Pendel-Profil aber kein Problem, somit beginne ich die Fahrt im Normal­modus. Das Planeten­getriebe beschleunigt den Ampera wohldosiert und stetig, nicht übermäßig sportlich, gemäß den üblichen deutschen Verhältnissen im Berufs­verkehr jedoch durchaus adäquat. Da im elek­trischen Betrieb der Benzinmotor komplett abge­schaltet ist, ergibt sich ein entspanntes Fahren – da keine Hast aufkommt, eine grüne Ampel oder einen offenen Bahn­übergang unbedingt erwischen zu wollen.

Die Anzeige im Hauptbildschirm ist dominiert von der digitalen Geschwindig­keits­anzeige, darunter ist der aktuelle Strom­verbrauch eingeblendet, der im Stand 0,5 kW beträgt und bei konstanter Fahrt mit fünfzig unterhalb von 10 kW bleibt. Geht man vom Gas, beginnt der Generator, die Batterie zu laden, hier ergeben sich auch Werte jenseits der 10 kW.

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Blick unter die Motor­haube: Die Kraft der zwei Herzen, links der Benzin- rechts der Elektro­motor (Bild: dre)

Wer gerne mit mehr Leistungsreserve fährt, wählt den Sport-Modus und hat deutlich mehr Beschleunigung auf dem Gaspedal. Damit lässt sich so manche leicht hektische Mittelklasse-Limousine an der Ampel überraschen, besonders, wenn deren Fahrer auch noch schalten muss. Diese Zeit reicht schon aus, damit er das Heck des Ampera begutachten kann.

In Weinheim führt eine letzte Ampel direkt auf die Autobahn 659 Richtung Mannheim. Auch im Normal­modus hat der Ampera keinerlei Schwierig­keiten, mit den Benzinern mitzuhalten, im Gegenteil. Im Nu sind 100 km/h erreicht und der Wagen schwimmt im Verkehrs­strom mit einer Leistungs­aufnahme von gut 15 kW. Dank des cw-Werts von nur 0,27 bleibt dies bei Geschwin­digkeiten um die 130 km/h im mittleren Zwanziger­bereich.

Somit stellen kurze Autobahnabschnitte den Ampera vor keine ernsthaften Probleme. Bei steilen Hofeinfahrten kann jedoch die Gummilippe unter der Front­schürze, die zur guten Aerodynamik beiträgt, schon mal auf der Fahrbahn aufsetzen. Und mit einem Wende­kreis von elf Metern bringen die Abstands­warner den Fahrer in engen Garagen­höfen schon ganz schön zum kurbeln, was aber – wieder dank des Elektro­betriebs – entspannter abläuft als mit einem Benziner vergleichbarer Größe. Und natürlich fast lautlos.

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