Zoe: Fast Food – Free Charge

Neben den Anschaffungskosten und der im Vergleich zu Benzinern und Dieselfahrzeugen geringeren Reichweite gilt die lückenhafte Infrastruktur mit öffentlichen Lade­möglich­keiten als Haupt­hindernis für Autokäufer, ein Elektro­fahrzeug in Betracht zu ziehen. Unzutref­fendes Vorurteil oder Realität?

Was die Reichweite angeht, liegt es natürlich am Haupt­einsatz­zweck des Fahrzeugs. Den Renault Zoe verwendeten wir unter der Woche zum täglichen Pendeln vom Wohnort zum Arbeits­platz. Die einfache Strecke beträgt rund 23 Kilometer, achtzig Prozent davon auf Bundes-/Schnell­straßen sowie Auto­bahnen. Das reduziert freilich die 210 Kilometer Reich­weite des NEFZ-Fahr­zyklus, der überwiegend Stadt­verkehr vorsieht, auf rund 130 Kilometer. Immer noch genug für (theoretisch) drei komplette Pendel­fahrten hin und zurück. Ein Smart­phone muss da häufiger an die Steckdose!

Kostenlos laden beim Schnellrestaurant – ich liebe es! (Bild: energyviews.de)

Zoe-frontal-laden_5571_VCH
Der Zoe ist ein „Frontlader“, somit ergibt sich eine lange Reichweite für die Kabel bis zur Ladesäule. (Bild: energyviews.de)

Wie sieht es aber aus, wenn wir fernab der heimischen Garage aufladen müssten? Während wir bei unserem BMW-i3-Test in München fast in Kilometer­abstand Lade­säulen auf den Karten der einschlä­gigen Anbieter fanden, sieht es in vielen anderen Regionen noch lange nicht so aus: Für Mannheim beispiels­weise sind – je nach Karten-Anbieter – gerade einmal drei Säulen verzeichnet. Doch der findige, infor­mierte Fahrer eines Stromers weiß es besser. Im Fall unseres Test erwies sich die Seite eines bekannten Karten-Verlags als besonders ergiebig und spuckte keinen Kilo­meter vom Wohnort entfernt ein Schnell­restaurant aus, das seinen Gästen neben Burgern und Pommes Frites 11 kW Strom anbietet. Noch dazu kostenlos.

Der Test verläuft erfolgreich: Beim „Test-Besuch“ ist tatsächlich eine der beiden Abstell­plätze an der Säule nicht von einem Benziner verstellt. Im Schnell­restaurant ist rasch die Mitar­beiterin mit der Chip­karte verständigt, die uns daraufhin draußen die Säule aktiviert und sogar wartet, bis der Lade­vorgang erfolg­reich gestartet ist. Auf die Frage, ob denn darauf geachtet würde, wer denn an der Säule parkt, antwortet sie nur ausweichend mit dem Verweis auf den Discounter, mit dem sich das Restaurant den Parkplatz teilt.

Zoe-McKilowatt_5594_VCH
Ein Restaurantbesuch mit gemütlichem Abstecher zum Spielplatz oder Einkauf im Discounter reicht für rund dreißig Prozent kostenlose Ladung oder rund 50 km Reichweite. (Bild: dre)

Der Besuch dauert mit Bestellen, Verzehr und einem anschließenden Abstecher auf dem Kinder­spiel­platz eine gute halbe Stunde, was dem Zoe für eine Ladung von knapp zwanzig Prozent reicht, umgerechnet also gute dreißig Kilometer Reich­weite. Nicht schlecht für eine Gratis­dreingabe zum Essen.

Wer nun kein dementsprechend ausgestattetes Restaurant in der Nähe hat, kann sich unter Umständen anders behelfen. So manche Einkaufs­zentren stellen Ihren Gästen Lade­möglich­keiten zur Verfügung, wenn auch manchmal nur in Form von Schuko-Steckdosen, für die der Fahrer dann das entsprechende Kabel mit ICCB dabei haben muss, eine In-Kabel Kontrollbox. Im Fall des Zoe ist das aber prinzipiell kein Problem, die wasser­feste Tasche im Koffer­raum ist groß genug, um dieses und das Typ-2-Kabel bequem gleich­zeitig aufnehmen zu können.

Zoe-x-2-Sporer_5647_VCH
Stelldichein beim Autohändler. Aber nicht als Werkstatt­besuch, sondern zum Aufladen während der Mittags­pause im Gasthaus um die Ecke. (Bild: dre)

Und es gibt noch mehr Möglichkeiten: Seit Oktober hat Renaults Konzern­partner Nissan die Offensive „Freistrom für alle“. Wie das Motto signalisiert, bieten die Händler damit nicht nur Besitzern des weltweit meistverkauften E-Autos Leaf – von dessen Erfahrungen und Knowhow auch der Zoe bei der Konzeption profitierte –, sondern generell allen Elektro­fahrzeug-Haltern an, während der Öffnungs­zeiten kostenlos aufzuladen. An der Aktion beteiligen sich nicht nur Renault-Vertrags­händler, sondern auch Multi­marken-Auto­häuser. Das nächste zum Verlag ist Autohaus Sporer in Weinheim-Lützelsachsen, das neben Nissan und Renault auch Opel und Dacia vertritt. So finden sich dann auf dem Parkplatz auch gleich verschiedene Elektro­fahrzeuge wie ein Ampera, ein Leaf, ein Zoe sowie je ein elektrischer Kangoo und ein NV200. Markus Sporer zufolge zieht das Geschäft mit den Elektro­fahr­zeugen an, besonders Handwerks­betriebe und Mittel­ständler zeigten großes Interesse an Kangoo Z.E. und e-NV200.

Zwar ist das Autohaus für regelmäßige Tankstopps zu weit vom Verlag entfernt, aber bei Bedarf ließe sich die Mittags­pause problemlos bei einem Gasthof in der Nähe verbringen. Das wäre zwar dann nicht gerade Fast Food, aber die Free Charge würde umso ergiebiger ausfallen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s