Zoe: „Zero Emission“-Mobilität

Die Straßenkrähe wandte irritiert den Kopf: Was da in die Hofeinfahrt bog, sah zwar aus wie ein Auto, es war jedoch nichts zu hören und nichts zu riechen. Die Krähe tat nur einen überraschten, kleinen Hüpfer und widmete sich wieder ihrer Walnuss, während der Wagen die Auffahrt hinunter in den Hinterhof rollte. Dort drehten dann die anwesenden Damen ihre Köpfe. Während ihnen der BMW i3 etwas zu futuristisch und der Opel Ampera zu bullig war, errang der Renault Zoe spontan ihr Wohlgefallen.

Kein Wunder, kommt der Kleinwagen, der sich die Plattform mit dem Clio teilt, doch schnittig daher. Auch wenn er – verglichen zu seiner Breite – recht hoch gewachsen ist, strahlt er eine ausgewogen dynamisches Auftreten aus, was seinem Fahrverhalten auch absolut gerecht wird. Der Zoe – wie auch die anderen Fahrzeuge mit Elektroantrieb – glänzt mit großer Zugkraft von bis zu 220 Newtonmeter, und das aus dem Stand. Dabei erreicht das Aggregat eine Peak-Leistung von 65 Kilowatt und eine Dauerleistung von 43 kW. Die Akkus haben eine Kapazität von 22 Kilowattstunden, was dem Zoe im energiesparenden Betrieb – also im Wesentlichen ohne Autobahnfahrten laut NEFZ-Fahrtprofil – eine Reichweite von etwas mehr als 200 Kilometern verschafft – absolut emissionsfrei.

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Lange nach vorne: Das Platzangebot im Fond dürfte durch die Kürze des Wagens und die Batterien am Fahrzeugboden geringer ausfallen als bei anderen Kleinwagen. (Bild: dre)

Das Wohlgefühl setzt sich im Innenraum fort: Das Cockpit ist fast schon minimalistisch und quasi mit einem Blick sind alle wesentlichen Funktionen erfasst. Die meiste Bedienung ist selbsterklärend, der Schalthebel in der Mitte steuert die Fahrstufen P-R-N-D ganz analog zu einem Verbrenner mit Automatikgetriebe. Links neben dem Hebel prangt der große „Eco“-Knopf, mit dem sich die Motorlast reduzieren lässt, um die Reichweite zu vergrößern. Für die Stadt ist dieser Modus völlig ausreichend, nur für Geschwindigkeiten von 90 km/h oder mehr ist er zu deaktivieren.

Für Fahrer oder Beifahrer ist das Platzangebot durchaus üppig. Die Sitze lassen sich allerdings nicht in der Höhe verstellen, denn darunter befinden sich die Akkus des Fünfsitzers. Dadurch ist auch der Boden für die Rückbank etwas erhöht, was das begrenzte Platzangebot dort für Passagiere mit langen Beinen weiter reduziert. Was den Raum vorne und fürs Gepäck angeht, macht der Zoe auf „Tardis“ – und ist innen größer, als es von außen den Anschein hat. Der Kofferraum ist zwar nicht sehr tief, dafür hat er jedoch einen niedrigen Boden, was einen Ladung wie etwa Getränkekisten „hochstapeln“ lässt. Erkauft hat sich Renault dieses Platzangebot jedoch mit dem verschmerzbaren Umstand, dass sich die unteilbare Rückbank zwar umlegen lässt, aber keine ebene Gesamtladefläche ermöglicht.

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Im Kofferraum lässt sich’s gut stapeln und der Wagen passt auch in Garagen aus den 1950ern – sofern die Antenne auf dem recht hohen Dach genug Luftraum unter dem Schwingtor hat. (Bild: dre)

Das Interieur des Zoe ist bewusst einfach gehalten, der Wagen soll den Käufern einen möglichst günstigen Einstieg in die Elektromobilität verschaffen. Daher splittet Renault die Anschaffungskosten auch auf in den Kaufpreis des Fahrzeugs – etwa 22.000 Euro je nach Ausstattung – und die Miete der Batterien. Diese ist nach Fahrleistung gestaffelt und beginnt für Wenigfahrer bei rund 40 Euro im Monat. Wer nicht auf „Luxus-Funktionen“ Wert legt, ist damit gut bedient. Selbst auf die im „Intens“-Ausstattungspaket unseres Testfahrzeugs enthaltenen Einparksenoren und –Kamera am Heck lässt sich gut verzichten, dank der kompakten Abmessungen und guten Übersichtlichkeit des Kleinwagens. Auch einklappbare Außenspiegel sind daher kein Muss.

Die Tür- und Cockpitverkleidung unseres Fahrzeugs war in einem freundlichen, hellen Grauton gehalten, der das Platzangebot optisch noch unterstützt. Kleiner Wehmutstropfen dabei: die Lüftungsschlitze unter der weit nach vorn gezogenen Frontscheibe zeichnen sich dadurch in der Reflexion als dunkle Rechtecke ab – was  irritiert, auch noch nach Ende des zweiwöchigen Tests.

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Das Cockpit des Zoe könnte übersichtlicher nicht sein – der überwiegende Teil der Bedienelemente ist selbsterklärend, das zentrale Display ein Touchscreen. Störfaktor: die Reflexion der Lüftungsauslässe in der Frontscheibe. (Bild: dre)

Die Lüftung selbst ist man von konventionellen Autos etwas stärker gewöhnt, war für die ersten herbstlichen Anflüge von Beschlagen aber noch ausreichend. Ob der Außentemperaturen war kein Einsatz der Klimaanlage unter Realbedingungen möglich, hier hat sich Renault auch etwas einfallen lassen, nämlich der Einsatz von Wärmepumpentechnik, um den Stromverbrauch zu senken. Lesen Sie mehr zu Reichweite und Aufladeverhalten des Zoe im nächsten Teil.

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