TÜV Rheinland steigt in Prüfung von Antriebsbatterien ein

TÜV Rheinland steigt in die Prüfung von Antriebs­batterien für Elektro­fahrzeuge im europäischen Markt ein. Der international tätige Prüfdienst­leister und das junge Aachener Unternehmen ConAC starten gemein­schaftlich den Aufbau eines Testzentrums für Antriebsbatterien. Das Labor wird mit einer Fläche von rund 2.000 Quadrat­metern zu den größten und modernsten seiner Art in Europa gehören. Das Investitions­volumen beträgt über 22 Millionen Euro, im Vollbetrieb werden 25 Mitarbeitende im Prüfzentrum tätig sein.

Das Labor im Gewerbepark Avantis soll den Betrieb bereits im September 2021 aufnehmen. Es entsteht in einem Gebäude auf der niederländisch-deutschen Grenze, die unmittelbar durch das Prüfzentrum selbst verläuft. Zum Bau und Betrieb des Labors gründen TÜV Rheinland und ConAC ein Joint Venture, in dem TÜV Rheinland Mehrheits­gesellschafter ist. ConAC ist ein Tochter­unternehmen der Aachener PEM-Gruppe mit ihrem Haupt­gesell­schafter Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker.

Dr.-Ing. Michael Fübi, Vorstands­vorsitzender der TÜV Rheinland AG und Mitglied im Ständigen Expertenrat Elektromobilität der Landesregierung NRW: „Elektromobilität boomt, steht aber gleichzeitig noch in den Startlöchern. Unsere Investition in die Zukunfts­technologie Batterie­technik stellt deshalb einen wichtigen Beitrag für die Mobilitäts­branche und den Industriestandort NRW und darüber hinaus dar. Durch die Partner­schaft von TÜV Rheinland mit der PEM-Gruppe sind wir ab sofort in der Lage, für die Branche die gesamte Wert­schöpfungs­kette rund um Traktions­batterien von Fahrzeugen abzudecken: von Unter­stützung bei der Entwicklung über umfassende Tests bis zur Typprüfung. Unsere Kern­kompetenz als internationaler Prüfdienst­leister rund um Sicherheit und Qualität von Technologien bringen wir hier ein. Denn Innova­tionen können nur erfolgreich am Markt bestehen, wenn sie sicher und verlässlich sind.“

Prof. Achim Kampker, Inhaber des Lehrstuhls für Produktions­technik für Elektro­mobilitäts­komponenten (Production Engineering of E-Mobility Components, PEM) an der RWTH Aachen: „In den kommenden Jahren besteht in Europa erheblicher Bedarf an Kapazitäten für die Prüfung von Antriebs­batterien. Diese Investition kommt deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt. Gleich­zeitig wird die techno­logische Entwicklung im Batterie­sektor dynamisch voranschreiten: Leistungsfähigkeit, Reichweite, Haltbarkeit und Lebensdauer, Kosten, Materialeinsatz und Recyclingfähigkeit sind dabei wichtige Aspekte. Wir werden alle diese Entwicklungen hier am Technologie-Hub Aachen-Heerlen mitgestalten. Dabei bringen wir unser Netzwerk und unsere langjährige Erfahrung mit ein.“

Achim Kampker zählt in seinem Fachgebiet zu den führenden Experten weltweit und war bereits im Jahr 2014 Mitbegründer der PEM Motion. Auch Prof. Kampker ist Mitglied im Expertenrat Elektro­mobilität der Landes­regierung NRW und darüber hinaus Teil des Forschungs­konsortiums für die Batterie­forschungs­fabrik in Münster, die durch das Bundes­forschungs­ministerium mit bis zu 500 Millionen Euro finanziert wird.

Große Dynamik im Markt

Einige Fakten zeigen bereits die große Dynamik im Markt für Batterie­prüfung: Die Zahl der Neuzulas­sungen bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen lag 2019 in Deutschland bei 63.000, allein von Januar bis Oktober schon bei über 98.000. Innerhalb der EU hat sich die Zahl der Neuzulassungen bei vollelek­trischen Fahrzeugen und Plugin-Hybriden im Vergleich von 2019 und 2020 nahezu verdoppelt. Und der Trend setzt sich immer weiter immer schneller fort. Entsprechend wird der Bedarf an Prüfkapazitäten für Batterien in den kommenden fünf Jahren weiter erheblich steigen.

Geplant ist, dass die Fachleute in dem neuen Testzentrum Batterien bis zu einem Gewicht von rund 800 Kilogramm allen gängigen Tests unterziehen können. Zum Vergleich: Die meisten herkömm­lichen Fahrzeug­batterien haben aktuell ein Gewicht zwischen 300 und 600 Kilogramm. Fernern können entwicklungs­begleitende Validierungen für Hersteller durchgeführt werden.

Zum Leistungsspektrum des Labors gehören unter anderem die entsprechenden Tests auf Basis obligatorischer Vorgaben für die Typ­genehmigung von Batterien wie ECE R100 zur Prüfung und Genehmigung von Lithium-Ionen-Batterien oder UN 38.3. für den Transport von Antriebs­batterien. Auch weitergehende freiwillige Tests nach Hersteller­vorgaben zur zusätzlichen Qualitäts­sicherung sind möglich, beispiels­weise auf Basis der Prüfvorschrift LV 124 für Hochspannungs­batterien.

Zur technischen Ausstattung des Labors gehören große Klima­kammern zur Simulation extremer Temperatur­schwankungen und -belastungen (-40 bis +90 Grad Celsius) sowie von Luftfeuchtigkeit von 10 bis 95 Prozent, eine Salz-Korrosions­kammer, einen Teststand für Spritz­wasser sowie ein Prüfstand zur Simulation von Schwingungen und Stößen. Darüber hinaus verfügt das Labor über Anlagen zur Simulation der Lebensdauer und Haltbar­keit einschließlich Be- und Entladen der Batterien und über eine eigene Bunker­anlage für Fall­tests, Nagel­penetration, Über- und Tiefenentladung, Druck, Quetschung und Brand­simulation. Ziel ist es, alle gängigen Sicherheits­standards umfassend abprüfen zu können. Im Fokus steht dabei zunächst zum Start der stark wachsende Prüfmarkt für Traktions­batterien von Fahrzeugen, aber perspek­tivisch soll das Testangebot auf weitere Speicher­anwendungen ausgeweitet werden. (Quelle: TÜV Rheinland)

Link: Batterieprüfung, TÜV Rheinland AG, Köln

Bild: Gemeinschaftsprojekt mit Aachener ConAC – Millionen­investition in neues Prüflabor auf dem Gelände des deutsch-nieder­ländischen Gewerbe­parks Avantis (Quelle: TÜV Rheinland)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s